| Wissensmanagement Impulse ISSN 1812-6790 Ein Online Magazin zum Thema Wissensmanagement http://www.wm-impulse.net |
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| Konstruktivismus als Erklärungsprinzip | |
| Geschrieben von Markus Strohmaier am 13.11.2004 | |
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Die Prinzipien Realismus und Konstruktivismus bergen bedeutende Implikationen für das Wissensmanagement. Der Konstruktivismus stellt dabei, im Gegensatz zum Realismus, das Subjekt (bzw. den Beschreiber/Beobachter) in den Mittelpunkt aller Betrachtungen. Was allerdings steckt im Detail hinter dem Erklärungsprinzip "Konstruktivismus"? Was sind die zentralen Merkmale? Und was ist die dahinterliegende Sichtweise? Dieser Beitrag gibt Antworten auf diese Fragen und verweist auf ein- und weiterführende Literatur.
Zentrale Merkmale
Sichtweise des Konstruktivismus Der Konstruktivismus verfolgt eine integrale Betrachtungsweise der Welt, indem das Subjekt (der Beobachter bzw. Der Beschreiber) als zentraler Bestandteil der Welt gesehen wird, die es versucht zu beschreiben (Verschränkung zwischen Subjekt und Objekt). Die Wirklichkeit existiert nicht objektiv, sie wird durch die Erkenntnissuche (durch den nach Erkenntnis Suchenden) geschaffen bzw. konstruiert. Beschreibungen sind insofern subjektiv, als dass sie von Subjekten erschaffen wurden (dies ist jedoch zwar notwendig aber nicht hinreichend) und sie vom Beschreiber ständig mit seinem internen Modell der Welt verglichen und in Bezug gesetzt werden. Wissen ist gleichzeitig "objektiv" (oder besser gesagt "beschränkt objektiv": konsensual, für jeden Menschen unter gleichen Bedingungen nachvollziehbar) und relativ (relativ zur Sozialisation). Dabei kommt ein pragmatischer bzw. funktionaler Begriff von Wissen zu tragen – Die Funktionaliät des Wissens entscheidet über seinen Wert (und nicht, wie z.B. im Realismus, die Wahrheitsähnlichkeit). Wesentlicher Vertreter des Konstruktivismus sind Heinz von Förster, Ernst von Glasersfeld, Paul Watzlawick, Humberto Maturana und auch Niklas Luhmann. Der Konstruktivismus sagt aus, dass kein Objekt in der Beobachtung unverändert bleibt, die Beobachtung also immer einen Einfluss auf das Beobachtete hat (sogenannte Kybernetik 1. Ordnung [3]). Beobachtende Subjekte können diesen Einfluss zwar identifizieren, aber nicht kalkulieren. Versuchen Beobachter „besser/akkurater/exakter/.." zu beobachten, so ist dafür die Beobachtung von Beobachtungen notwendig. Diese Situation wird von Kybernetikern als Kybernetik 2. Ordnung bezeichnet. Kybernetik 2. Ordnung besagt, dass eine Theorie die sich mit Beobachtungen auseinandersetzt berücksichtigen muss, dass sie wiederum von Beobachtern entwickelt wird. Dadurch wird der Begriff der Selbstreferentialität bzw. selbstreferentieller Systeme [4] mit dem Konstruktivismus in Zusammenhang gebracht (denn in der Kybernetik 2. Ordnung beobachten Beobachter Beobachtungen). Eine Spielart des Konstruktivismus ist der radikale Konstruktivismus, welcher der Existenz von "objektivem Wissen" (wie es z.B. Popper's 3. Welt postuliert - siehe dazu auch den Beitrag "Realismus als Erklärungsprinzip") grundsätzlich eine Absage erteilt. Heinz von Förster fasst diese Betrachtungsweise in seinem Satz "Objectivity is a subject's delusion that observing can be done without him" plakativ zusammen. Durch seine integrale Betrachtungsweise erscheint der Konstruktivismus im Context of Discovery (Im Kontext von Neuem, Entdeckung, Innovation, Hypothesen- und Theorienbildung) besonders wertvolle Hinweise auf das Verständnis neuer Problemstellungen und Herausforderungen geben zu können. Wissenschaftler unabhängig ihrer fachlichen Zugehörigkeit erlangen durch den Konstruktivismus die Fähigkeit ihre Rolle in Erkenntnisprozessen besser zu verstehen. Die Implikationen eines konstruktivistischen Weltbildes auf den Alltag hat Konrad Paul Liessmann in seinem Artikel "Wir sind alle Lügner" illustrativ und unterhaltsam aufgearbeitet (ohne allerdings den Begriff "Konstruktivismus" selbst zu verwenden). Literatur: |