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Es war wieder einer dieser verregneten Montage, an denen Hansi K. ganz froh war, nicht so früh aus dem Bett zu müssen, um in die Arbeit zu hetzen. Er konnte sich nun ja seine Zeit selbst einteilen ....
Vor einem Jahr war die Situation noch eine ganz andere. Mit 35 Jahren hatte Hansi K. den ersten Meilenstein seiner Karriereplanung erreicht und war zum Leiter der FuE Abteilung des Unternehmens geworden. Ein anspruchsvoller Job mit immerhin 30 MitarbeiterInnen und verschiedenen Projekten im Bereich Beschichtung, neue Materialien und Herstellungsverfahren. Und natürlich gab es viele Kontakte mit externen Partnern wie Universitäten, ausseruniversitäre Forschungseinrichtungen und auch andere Unternehmen in ganz Europa, was natürlich die Arbeit noch spannender machte.
Am Anfang hatte er seine Sache auch ganz gut gemacht. Er änderte nicht sofort alle Routinen in der Abteilung nur um zu beweisen, dass er nun das Ruder in der Hand hatte. Das rechneten seine MitarbeiterInnen ihm auch hoch an, die sehr durch den lockeren Führungsstil des früheren Leiters der Abteilung geprägt waren. Der war vom Stil her ein alter Fuchs, kein Akademiker, hatte aber die notwendigen Fähigkeiten und sein Wissen von der Picke auf gelernt.
Und auch heute wünschte sich Hansi K., dass er dieser Linie treu geblieben wäre und nicht versucht hätte, Wissensmanagement für seine Abteilung einzuführen.
Der Gedanke war ihm schon früher gekommen, bevor er die Position des Abteilungsleiters bekommen hatte. Er hatte immer wieder bemerkt, dass sich bestimmte Fragestellungen und die dazu gehörenden Antworten glichen, die entsprechenden Unterlagen aber niergendwo zu finden waren. Auf eigene Faust hatte er sich dann schon schlau gemacht und zahlreiche Publikationen zu diesem Thema durchgesehen. Besonders beeindruckt war Hansi K. von den Datenbanklösungen, die imstande waren, alle Dokumente miteinander zu verlinken, eine übersichtliche Struktur boten und zudem noch individuell anpassbar waren. Genau das war es, was er brauchte!
Als er nun den Job des Abteilungsleiters bekam und sich schon eingearbeitet hatte, schlug er der Geschäftsführung das Projekt vor, es handelte sich ja doch um eine Investition, die nicht nur die Abteilung betraf, sondern in weiterer Folge auch dem ganzen Unternehmen zu Gute kommen sollte. Er bekam grünes Licht für sein Vorhaben. Das war der Anfang vom Ende...
Heute, rückblickend betrachtet, weiß Hansi K., dass er seinen Projektvorschlag und die angegebenen Empfehlungen zu einseitig getroffen hatte. Er hatte der Prämisse, Dokumente sind Wissen, bedinungslos gefolgt und war seiner eigenen Begeisterung für IT Systeme nachgekommen, ohne auf seine MitarbeiterInnen und deren Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen. Das ganze Projekt war gefloppt und nicht nur das, auch die FuE Projekte wurden dadurch in Mitleidenschaft gezogen. Der Aufwand für die Eingabe stand in keinem Verhältnis zum Nutzen, egal was er auch probierte. Er hatte damals einfach die Komplexität außer acht gelassen, seine Leute waren eben keine Maschinen mit definierten Verhalten.
... Nun war es aber wirklich Zeit, aus dem Bett zu kommen. Als Eigentümer und Geschäftsführer einer Unternehmensberatung, die sich auf Transformationsprozesse von Unternehmen in Zusammenhang mit Wissensmanagement spezialisiert, war es ja seine Aufgabe, seinen Kunden derartige Mißgeschicke zu ersparen. Und er wußte nur zu gut, wie verlockend die Angebote von IT Anbietern waren ...
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